
©: Bert Neumann |
|
Mit dieser Ausstellung wird erstmals die Arbeit eines Bühnenbildners gezeigt. Für Bert Neumann, einen der wichtigsten Bühnenbildner im deutschsprachigen Raum, bildet die Frage nach Kunst und Leben die Folie für die Konzeptionen seiner Theaterräume. Baugerüste und Container sind die Instrumente für temporäre Architekturen, die Neumann diesmal nicht im Theater, sondern im Ausstellungsraum des Augarten Contemporary in Szene setzt. Die Raumbehälter werden zu Displays für das Zusammenspiel von Theater, Film, Architektur und bildender Kunst.
|
von: 2.Jun 10
bis: 29.Aug 10
Augarten ContemporaryÖsterreichische Galerie Belvedere Scherzergasse 1a 1020 Wien, AT Tel: +43 1 79 557 0 Email: info@belvedere.athttp://www.belvedere.at/Öffnungszeiten: Do bis So 11 - 19 Uhr
Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen
|
|
In dieser Schau strukturiert Neumann die Ausstellungshalle komplett um, indem er unter anderem eine zweite Ebene einzieht. Im darunterliegenden „Dark Room“ werden Stummfilme gezeigt, die der Bühnenbildner seit 2007 bei den unterschiedlichen Theaterproduktionen, für die er die Bühnenbilder entwirft, gleichsam als Tagebuch dreht. Setting of a Drama ist eine Anordnung mehrerer Bühnenbereiche, die von Neumann und seinen Freunden – darunter der Autor und Regisseur René Pollesch und der Schauspieler Martin Wuttke – situativ bespielt wird. Der Ausstellungsraum wird zum Bühnenraum, und umgekehrt wird ein theatralischer Raum zu einer Ausstellung. BERT NEUMANN ÜBER DIE AUSSTELLUNG Ich baue Räume, die benutzt werden sollen. Also temporäre Architektur, in der normalerweise Schauspieler für die Dauer einer Theateraufführung wohnen. Aber in einigen Fällen auch die Zuschauer wie bei Neustadt in der Volksbühne oder in den verschiedenen Räumen, die ich für den Prater in Berlin gebaut habe. Da war die klare Trennung von Zuschauerraum und Bühne aufgehoben, und diese Zuordnung neu zu befragen und zu definieren ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema meiner Arbeit geworden. Insofern war die Einladung, eine Ausstellung in den Räumen des Augarten Contemporary zu machen, für mich einerseits Neuland, andererseits Fortsetzung eines bereits eingeschlagenen Weges. Die Aufgabe war, mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln (Stadttheater im deutschsprachigen Raum bieten den Luxus eigener Werkstätten und höhere Budgets als Ausstellungsorte für zeitgenössische Kunst) die Räume des ehemaligen Bildhauerateliers so zu verändern, dass daraus eine Raum-Inszenierung wird, die mit meinem Blick auf die Dinge zu tun hat und von den Besuchern benutzt wird, indem sie Betrachter und Akteure gleichzeitig sind. Ursprünglich wollte ich Originalteile meiner Bühnenräume recyceln, das scheiterte jedoch einerseits an der Tatsache, dass die Teile die Dimensionen der Räume überschritten, und andererseits daran, dass Theaterdekorationen entsorgt werden, wenn eine Vorstellung abgespielt ist. Einige wenige Teile werden dennoch zu sehen sein. Jeder, der schon einmal eine Theateraufführung im Fernsehen gesehen hat, weiß, wie öde das in der Regel ist. Das Ereignis Theater, und damit auch die Bühnenräume, ist flüchtig. Es findet im Augenblick statt und lässt sich eigentlich nicht adäquat abbilden, weder durch Fotos noch durch Film. Dennoch wird ein zentraler Bestandteil der Ausstellung eine Reihe kurzer Stummfilme sein, die meist im Theater oder am Rande von Theateraufführungen entstanden sind. Sie sind der Versuch, bestimmte Momente der Arbeit festzuhalten, Nahaufnahmen als Ausschnitte aus der Totale, die man im Theater immer hat. Eine wichtige Anregung zu der Ausstellung waren die Fotos, die Heinrich Zille auf Berliner Rummelplätzen um die Jahrhundertwende gemacht hat, insbesondere die Buden, verhüllt mit Markisenstoff. Der Rummelplatz ist für mich ein magischer Ort. Faszinierend in seinen grellen Reizen und durch die Tatsache, dass die Schaufassaden mit ihren Bildern und Lampen ein großes Versprechen sind, von dem jeder weiß, dass es nicht eingelöst werden wird. Diese augenfällige Lüge finde ich in ihrer Direktheit faszinierend, sie ist so unverblümt und offenbar. Die Fassaden des Rummelplatzes bauen auf mein Einverständnis, diese Lüge zu genießen. Dieser Ansatz hat sehr viel mit meiner Theaterarbeit zu tun. Ich habe Freunde - andere Künstler: Schauspieler, Musiker und einen Autor – gebeten, mich in meiner Ausstellung zu besuchen, meine Räume zu benutzen. Aus dieser Idee ist ein kleines informelles Programm entstanden. Es soll darauf hinweisen, dass meine Arbeit von einer kollektiven Arbeitspraxis geprägt ist. Biografie Bert Neumann wurde 1960 in Magdeburg geboren und wuchs in Ostberlin auf. Nach seinem Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (1980 – 1985) war er Mitbegründer der Künstlergruppe LSD, die von 1992 bis 2008 die mittlerweile legendäre Werbung für die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz entwickelte. Seit 1985 arbeitet Neumann als Bühnen- und Kostümbildner mit Regisseuren wie Frank Castorf, Peter Konwitschny, René Pollesch und Johan Simons. 1992 wurde er Chefbühnenbildner der Volksbühne in Berlin. 1989 erhielt er die Kainz-Medaille der Stadt Wien für die beste Theaterleistung, 2000 gewann er den Kritikerpreis der Berliner Zeitung, 2001 und 2002 wählte ihn die Zeitschrift Theater Heute zum Bühnenbildner des Jahres. 2003 erhielt Bert Neumann den Nestroy-Preis für die beste Ausstattung. Seit 2009 ist Bert Neumann Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. [red]

©: Belvedere Wien
|