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Im Zentrum der Ausstellung steht der künstlerische – buchstäbliche wie metaphorische – Gestus einer von Straße und Urbanität inspirierten Vitalität und eines Drives, der sich in Basquiats OEuvre und seinen Kollaborationen mit Andy Warhol, Francesco Clemente und Keith Haring genauso zeigt, wie in den Arbeiten seiner Zeitgenossen Futura, Ramm:ell:zee, Sol LeWitt, Sophie Calle, Jenny Holzer, Blek le Rat. Innerhalb der New Yorker Sprayszene galt Basquiat aka SAMO (SAMe Old shit) schon in den späten 70er Jahren als „King of the City“, der seine Tags mit Kronen verzierte, und mit seiner Band Gray gleichzeitig im subkulturellen Musikumfeld agierte. Damals wie heute fließt diese subversive Bildsprache in die Popkultur ein und inkludiert eine politische Dimension, die sowohl von der Suche nach Identität und Aufmerksamkeit erzählt, als auch von einem von sozialer Ungerechtigkeit geprägten Überlebens und Klassenkampf. Die künstlerische Reflexion darüber, wie die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum ihren Transfer in die geschlossenen und geschützten Räume von Atelier/Studio und Ausstellungsraum/White Cube erlebt, ist ein essentielles und kritisch beleuchtetes Thema der Ausstellung. Exemplarisch für diese Auseinandersetzung steht Rita Ackermanns jüngster Zyklus Marfa/Crash (2009). Der stark aus dem Körper und der Handbewegung kommende Energiefluss war zunächst eine Reaktion auf ihre Umgebung: Die in New York lebende Künstlerin hatte mehrere Monate inmitten des imposanten Ateliers von Donald Judd (1928 94) in der texanischen Wüste verbracht, sich von ihr provozieren und inspirieren lassen. Der Künstlerin ging es bei der Genese der dort entstandenen Bilder ganz wesentlich um die ambivalente Erfahrung einer City Bewohnerin von großer Weite, wo sich die Grenzen zwischen dem Innenraum des Ateliers und dem Außenraum der suburbanen Landschaft verwischen. Das Erleben und erforschen des urbanen Raums fand bereits im 19. Jahrhundert Eingang in die Literatur und bildende Kunst. In den 1930er Jahren wurde der Fotograf Brassaï auf die Schönheit einer marginalen Kunstform wie der geritzten, gekratzten und gemalten Graffitis in den Gassen von Paris aufmerksam, und gab dazu 1960 einen eindrücklichen Fotoband heraus. Die Situationisten schließlich, prägten in den 1960er Jahren theoretische Begriffe wie Psychogeographie, Dérive (Umherschweifen) und Kommunikationsguerilla zu Zwecken der künstlerischen Produktion. Neben dem US amerikanischen Schriftsteller Norman Mailer (1923 2007) äußerte sich der französische Philosoph Jean Baudrillard (1929 2007) als einer der Ersten analytisch zu den gesprayten „American“ Graffitis und ihrer Sinnesentleerung zugunsten persönlicher Identitätsstiftung. Er meinte in diesem Zusammenhang zur Bedeutung der Stadt als „Leinwand“: „Ihre Wahrheit, Einschließung in die Zeichen/Form, ist überall. Sie ist das Ghetto des Fernsehens und der Werbung, das Ghetto der Konsumenten/Konsumierten, der im Voraus gelesenen Leser, der codierten Decodierer sämtlicher Botschaften, der Zerstreuer/Zerstreuten der Freizeit usw. Jeder Zeit/Raum des urbanen Lebens ist ein Ghetto, und alle stehen miteinander in Verbindung.“ Der Slogan „Reclaim the Street!“ nimmt innerhalb der Ausstellung Bezug auf die zahlreichen Strategien urbaner „Widerstandsbewegungen“ und lässt sich des Weiteren als programmatischer Ansatz bei jüngeren Gegenwartspositionen wie jenen von Dani Gal, Shaun Gladwell, Leopold Kessler und Robin Rhode und deklarierten Street Art Künstlern wie Banksy und Mark Jenkins wiederfinden, die das visuelle Erscheinungsbild ihres urbanen Umfelds verhandeln und durch ihre Arbeiten immer wieder Kritik an der sich global formierenden Invasion des Kommerziellen und der Überwachung des öffentlichen Raums formulieren. Sol LeWitt wiederum betrachtete die Mauern seiner Atelierumgebung als „Enzyklopädie der Kunst unserer Zeit und Umgebung“ wie das in der Fotoarbeit On the Walls of the Lower East Side (1976) seinen Niederschlag fand. Gleichzeitig erfahren Ausdrücke wie „Street Credibility“ und „Urban Style“ mittlerweile inflationäre Verwendung in den unterschiedlichsten Lebensbereichen, ohne dass deren Genealogie eindeutig wäre, sondern vielmehr eine komplexe Vielschichtigkeit aufweisen. Alles in allem eine interessante Schau, die einen Eindruck der Kunst auf der Strasse vermittelt, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist. [pge]

©: Kunsthalle Wien
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