
©: Belvedere, Wien |
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Diese Sommerausstellung in der Orangerie des Unteren Belvedere ist dem bildhauerischen Frühwerk Alfred Hrdlickas gewidmet, einem der wichtigsten österreichischen Bildhauer. Der im Dezember 2009 verstorbene Ausnahmekünstler reflektierte wie kaum einer seiner Zeitgenossen in seinem unbändigen Schaffen die politischen Verhältnisse des Landes.
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von: 23.Jun 10
bis: 19.Sep 10
Unteres BelvedereÖsterreichische Galerie Belvedere Rennweg 6 1030 Wien, AT Tel: + 43 1 79 557 200 Email: info@belvedere.athttp://www.belvedere.at/Öffnungszeiten: täglich 10 - 18 Uhr
Mi bis 21 Uhr
24.12. bis 13 Uhr
31.12. bis 18 Uhr
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Er galt als sensibler Berserker, bezeichnete sich selbst als „Fossil“, „Untergrundmensch“ und „zu Tode geschunden“. Unaufhörlich hinterfragte er auch die globalen Machtverhältnisse - und das nicht allein in seiner unmittelbaren Erlebniswelt: Er setzte sich darüber hinaus intensiv mit der Geschichte, der Weltliteratur und ihren Protagonisten auseinander. Die künstlerischen Produkte sind einerseits ausdrucksstarke, einem expressiven Formwillen folgende figurale Steinskulpturen und andererseits Hrdlickas künstlerisches Wollen demonstrierende Zeichnungen.
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Hrdlicka hatte es sich nie leicht gemacht, weder in seinem Leben noch in seinem Schaffen. Er lebte einen schonungslosen Humanismus und führte in seinen Schöpfungen auch Mord und Terror mit bisweilen schockierender Deutlichkeit vor Augen. „Alle Kunst kommt vom Fleisch“, lautete ein Diktum Hrdlickas. Zu seinen bekanntesten und eindrucksvollsten Werken zählen seine Arbeiten zur französischen Revolution, zu Pasolini oder zu Franz Schubert. 1963 sorgte er für Aufruhr in Salzburg, nachdem sein Orpheus für das Kleine Festspielhaus angekauft worden war. 1967 versammelte sich eine „Liga gegen entartete Kunst“ zum Protest gegen das in Wien enthüllte Renner-Denkmal Hrdlickas. 1970 entstand für ein Evangelisches Gemeindezentrum in Westberlin der Plötzenseer Totentanz. In Hamburg sorgte sein monumentales Gegendenkmal zum Krieger-Ehrenmal für hitzige Diskussionen, in Wien das Denkmal gegen Krieg und Faschismus am Albertinaplatz (1988/91). 1990 organisierte das Belvedere im oberen Schloss die Ausstellung Alfred Hrdlicka – Die Kunst der Verführung mit Zeichnungen, Aquarellen, Gemälden und Skulpturen. Zwanzig Jahre später wird Hrdlicka nun in der Ausstellung Schonungslos! mit seinem bildhauerischen Werk der 1960er–Jahre präsentiert. Die Schau in der Orangerie veranschaulicht anhand von 17 ausgewählten Steinskulpturen, einer Bronzeskulptur und einem großformatigen Gemälde Hrdlickas wesentliche künstlerische Manifeste. Wie der von ihm verehrte Oskar Kokoschka war Alfred Hrdlicka eine Doppelbegabung. Vorerst bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky zum Maler ausgebildet, beschäftigte er sich bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit der Zeichnung und der Druckgrafik. Gerade die Druckgrafik diente ihm als Ausdrucksmittel für seine gesellschaftspolitischen Statements und machte ihn weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Nach Abschluss seiner Malereiausbildung wechselte Hrdlicka 1953 in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba. Hrdlickas frühe Steine, etwa der in der Ausstellung gezeigte 1954 entstandene Männliche Torso, erinnern noch an Wotrubas Skulpturen der späten 1920er-Jahre. Im Laufe seines Lebens führte Hrdlicka die künstlerische Visualisierung sozialkritischer Themen bis ans Ende der im formalen Bereich liegenden Möglichkeiten. Seine kritische Denkweise und die Fähigkeit, diese wortgewaltig zu äußern, erlaubten ihm einen direkten Zugang zu sämtlichen Themen der Weltgeschichte. Dennoch konzentrierte er sich in seinem skulpturalen Werk auf wenige Motive, die er immer wieder neu erstehen ließ, wie zum Beispiel die Darstellung des geschundenen Satyrs Marsyas, das Motiv der Kreuzigung sowie narrative Porträts von Massenmördern und Märtyrern. In der Ausstellung sind diese Themen unter anderem mit Marsyas I (1955) und Marsyas III (1964/72), zwei Versionen der wegen Mordes zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilten Martha Beck, dem Gekreuzigten (1959) sowie dem Linken Schächer (1962) und dem Rechten Schächer (1962/63) vertreten. Die nur vordergründige Dissonanz zwischen den plakativen und schreienden Themen und den manieristischen Zügen in der künstlerischen Umsetzung charakterisiert Hrdlickas Werk als das eines hochsensiblen Künstlers, der sich formal am Grat zwischen der aus der Antike schöpfenden Renaissance und dem Barock orientierte, die endgültige Modellierung und den Schaffensprozess aber dennoch und konzessionslos seinem ureigenen Impetus unterwarf. Eine besonders ergreifende Ausstellung, die, wenn man Skulpturen nicht abgeneigt ist, man unbedingt besuchen muß. Denn jedes der gezeigten Werke strotzt von der Kraft des umstrittenen und genialen Bildhauers. Ausserdem ist ein besonders gut gelungener Katalog erschienen, den ich Ihnen sehr empfehle. [pge]

©: Belvedere, Wien
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