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Ausstellungsbericht
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Tina Modotti - Fotografin und Revolutionärin
copyright: Galerie Bilderwelt, Berlin
©: Galerie Bilderwelt, Berlin
  

Diese umfassende Retrospektive ist der Fotografin Tina Modotti, die 1896 in Udine in Italien geboren wurde und 1942 in Mexiko starb, gewidmet. Berühmt wurde sie durch ihre Fotografien aus dem Mexiko der 1920er-Jahre und ihre Involvierung in die revolutionären Bewegungen ihrer Zeit.

  

von: 1.Jul 10
bis: 7.Nov 10


KunstHausWien
Untere Weissgerberstrasse 13
1030 Wien, AT
Tel: +43 1 712 04 95
Fax: +43 1 712 04 96
Email: office@kunsthauswien.at
http://www.kunsthauswien.com/

Öffnungszeiten:
täglich von 10 bis 19 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Die Ausstellung gibt einen Überblick über wesentliche Bereiche ihres fotografischen Schaffens: ihre Porträts und Pflanzenstudien, ihre Fotos der revolutionären Bewegung im Mexiko der 1920er-Jahre sowie ihre Fotografien über das Puppenspiel, ihre berühmte Serie über die "Frauen von Tehuantepec" und eine Auswahl an wenig bekannten Vintage Prints von Aufnahmen, die Modotti von den Wandgemälden Diego Riveras gemacht hat.

Franz Patay, Direktor des KUNST HAUS WIEN: "Modotti, eine der faszinierendsten Frauenfiguren des 20. Jahrhunderts, und ihre eindrücklichen fotografischen Serien lassen etwas von der Atmosphäre im Mexiko der 1920er-Jahre erahnen, in dem Maler wie Diego Rivera und Frida Kahlo lebten und Künstler und Intellektuelle aus vielen Ländern zusammentrafen und sich revolutionär engagierten."

Ihr Lebensweg führte Tina Modotti von Italien nach Kalifornien, Mexiko, Berlin, Moskau, Paris, Spanien und zurück nach Mexiko. Zu den wichtigsten Künstlerfreunden in ihrem Leben zählten die Fotografen Edward Weston, Johan Hagemeyer und Manuel Alvarez Bravo, der Schriftsteller B. Traven und der Dichter Pablo Neruda.

"Innerhalb kurzer, bewegter Jahre hat Tina Modotti ein fotografisches Œuvre geschaffen, das eine signifikante Entwicklung von formalen Ansätzen hin zu einer sozial engagierten Fotografie nimmt. Die Ausdruckskraft von Modottis Fotografie beruht auf einer eigenständigen Bildsprache und einer ausgeprägten Menschlichkeit, die weit über ihr politisches Engagement hinausweist", so Andreas Hirsch, Kurator am KUNST HAUS WIEN.

Das fotografische Werk von Tina Modotti ist innerhalb weniger Jahre und fast ausschließlich im Mexiko der 1920er-Jahre entstanden. Ihr Handwerk erlernte sie – im Austausch gegen Haushaltsführung – von dem US-Amerikaner Edward Weston, der mit seiner "reinen Fotografie (straight photography)" weltberühmt wurde.
So wie sich Modotti und Weston Stück für Stück privat voneinander lösten, emanzipierte sie sich auch sehr rasch als Fotografin von ihrem Lehrer und fand zu einer eigenständigen künstlerischen Ausdrucksform. Zwei Bilder in der Ausstellung zeigen diese Entwicklung gut: Sowohl Weston als auch Modotti fotografierten das Zelt des russischen Zirkus. Während Weston sich in seiner Bildkomposition auf die Strukturen des Zeltdaches konzentrierte, zeigte Modotti in ihrer Aufnahme neben den Strukturen auch die Menschen, die im Zirkuszelt Platz genommen hatten.
In dieser Frühphase als Fotografin schuf Tina Modotti so berühmte Werke wie die "Rosen" und "Flor de manita" oder die Studien im Kloster von Tepotzotlán.

Sehr rasch rückten im fotografischen Schaffen von Tina Modotti die Menschen Mexikos und ihre Lebensumstände in den Mittelpunkt. An ihren Porträtaufnahmen wird der Gegensatz zwischen den gut situierten Familien – deren Fotografien zumeist als Auftragsarbeiten entstanden – einerseits und den in Armut lebenden Campesinos (Bauern) und ihren Kindern andererseits deutlich. Zunehmend widmete sich Modotti der Sozialreportage, die sie unter anderem in das Elendsviertel Colonia de Bolsa führte. Die Intensivierung ihres politischen Engagements für die Kommunistische Partei Mexikos (KPM) und in der Folge für die Internationale Rote Hilfe (IRH) findet auch in ihrer Fotografie entsprechenden Niederschlag. In Anknüpfung an die formalen Studien von Gebäuden und Pflanzen, die ihre frühen fotografischen Arbeiten geprägt hatten, schuf sie nun – neben Dokumenten der revolutionären Arbeit – emblematische Stillleben mit Hammer, Sichel, Sombrero, Gitarre und Maiskolben.

Mit dem Dichter B. Traven bereitete Tina Modotti ab 1928 ein Projekt zur Dokumentation der mexikanischen Wandgemälde (Murales) vor. Sie arbeitete in dieser Zeit sehr eng mit Diego Rivera zusammen. Ihre Reproduktionen der Murales sind mehr als bloße Abbildung der Kunstwerke. Modotti spielt bewusst mit der Architektur, die die Wandgemälde umgibt, hebt Details hervor oder bildet die Künstler mit ab – sie inszeniert und interpretiert die Kunstwerke in ihren Fotografien. Die Ausstellung widmet der Arbeit von Tina Modotti als "Fotografin der Murales" einen Spezialbereich mit rund 60 weitgehend unbekannten Vintage Prints.

Aus der Zeit nach ihrer Ausweisung aus Mexiko im Jahre 1930 gibt es nur wenige fotografische Arbeiten von Tina Modotti, die sie 1930 in Berlin gemacht hat, wo sie kommerziell aber nicht Fuß fassen konnte. Auf ihrer Zwischenstation Berlin arrangierte die Fotografin Lotte Jacobi für sie eine wichtige und letzte Ausstellung ihrer Werke. Folgt man dem Bericht von Pablo Neruda, so warf Tina Modotti während ihres Aufenthaltes in Moskau ihre Graflex Kamera in die Moskwa.

Viele künstlerische und revolutionäre Persönlichkeiten kreuzten Tina Modottis Weg. Die Ausstellung versucht mit einem eigenen dokumentarischen Bereich unter Einbindung historischen Materials ein Stück weit das Wechselspiel gegenseitiger Einflüsse und Impulse in den künstlerischen und revolutionären Subkulturen der 1920er und 1930er Jahre zwischen Mexiko und Europa nachzuzeichnen.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog:
"Tina Modotti – Fotografin und Revolutionärin"
176 Seiten, rund 230 Abbildungen, Duotone, Hardcover
Texte in deutscher und englischer Sprache
von Reinhard Schultz, Michael Nungesser und Andreas Hirsch
ISBN 978-3-901247-20-0

[pge]

copyright: Galerie Bilderwelt, Berlin
©: Galerie Bilderwelt, Berlin

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