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In der heissesten Woche des Sommers zog es uns in die Stadt. Ein improvisiertes Familientreffen, inmitten der Zeit, in der Wiens Innenstadtgastronomie bevorzugt Urlaub macht oder auf Rathausplatz oder Summerstage abwabndert - kein leichtes Unterfangen. Ein grosser Tisch musste her - und fand sich in der coolen Pawlatschen des Livingstone in der Zelinkagasse. Flirrende Sommerhitze über dem Asphalt am Ring, 34C auf der Hohen Warte, doch dank hoher Häuser und lauschiger Schattenspender findet man in den asiatisch inspirierten Sesseln Gelegenheit zum Durchatmen, auch ohne Klimaanlage. Das überaus gemütliche Ambiente mit den charmant kolonialen Akzenten nimmt uns auch in der Pawlatschen gleich gefangen und entführt uns seelisch in die Ferne - innen ist's übrigens noch dichter. Das Personal ist freundlich und sehr zuvorkommend, trotz der Sommerhitze flink und stets zur Stelle um Fragen zu beantworten, Bestellungen aufzunehmen, nachzuschenken oder auch anderweitig behilflich zu sein. Wir treffen früh und, wie man in Wien so sagt, zitzerlweise ein, selbstverständlich wird der Prosecco gleich auf Eis gestellt, damit auch die später kommenden ihn kühl und erfrischend geniessen können. Einer der Gäste will aufgrund der Hitze und wegen Medikamenten keinen Alkohol trinken - natürlich gibt es Mineralwasser im Proseccoglas zum formvollendet anstossen. Auch dass der frisch angelieferte Fisch um 18 Uhr noch nicht im Haus ist, aber in kürze eintreffen würde wird uns gleich beim Austeilen der Speisekarten mitgeteilt, um allfälligen Wartezeiten bei zu grossem Hunger a priori begegnen zu können und allenfalls die Auswahl anzupassen. Nun, gut zu wissen, aber bei der Hitze haben wir es mit dem Essen ohnehin nicht ganz so eilig. Und während wir noch gustieren fährt der Kühlwagen des Fischlieferanten vor und die kühle Frischware wird in die Küche getragen. Die Auswahl fällt uns nicht leicht, selbst wenn wir das spannende Angebot an Premium Steaks - bis hin zum Wagyu - bei der Sommerhitze links liegen lassen. Doch auch wenn fast jeder zwischen mehreren Gerichten hin und hergerissen ist, in grosser Runde lässt es sich ja wunderbar kosten und tauschen... So kreisen bereits bei den Vorspeisen die Platten rund um die Tafel, ein köstlich 'entkomposierter (decomposed) Nizza Salat mit feinem Ahi-Thunfischsteak etwa, oder ein frischer Schrimpscocktail mit Avocado und Wassermelone, dessen Garnelen ebenso erfreulich knackig sind wie das Salatbett darunter. Nicht zu vergessen den Oktopus mit Knoblauchciabatta mit Kapernbeeren, getrockneten Tomaten und erfrischendem Limettendressing und die herrlich kühle Gazpacho (ein Schlem der an Ralf König denkt) mit Paprikasorbet und mal mit gegrillter Garnele, mal ohne - vegetarisch. Bei den Hauptspeisen fanden die im Wok aromatisch gedämpften Bouchonmuschlen besonders viele Fans und erfüllten den Tisch mit dem feinem Kokos-Aromaten-Duft der Sauce. Auch das Rare gebratene Steak vom Big Eye Tuna mit Pfeffer-Sesamkruste auf Salat mit dreierlei Dipps war köstlich und wie versprochen ganz im Stil der Westküste auf den Punkt Rare seared. Hühnerfilet und Garnele mit Matsaman-Curry und eine Hauptspeisenportion des Shrimp-Cocktail rundeten die Auswahl ab. Der Resthunger für Dessert war zwar gering, der Gusto jedoch intakt, schon wegen der kühleren Abendluft. Nachdem alle mit Löffeln ausgestattet waren dauerte es so nicht lange bis die bestellten Leckereien, Schokolademousse auf Grand Marnier Creme mit Tonkabohneneis, ein vorzüglicher warmer Schokoladekuchen sowie das Tagesdesert, eine fein aromatische Collada-Creme mit marinierten exotischen Früchten, aufgegessen waren. Eine schöne Weinkarte mit einer tollen Auswahl rundet das Bild ab, wobei man auch bei kleinem Budget die einleitenden schwarzen Seiten genüsslich durchblättern sollte. Auch wenn man sich manches nicht leisten können oder wollen wird, die Lektüre ist für Wienliebhaber ein Genuss. Doch auch dahinter (und preislich darunter) findet sich viel feines, gut sortiert nach Weintypen und Herkunft. Wir entschlossen uns nach kurzer Diskussion (Bitte kein Chardonnay mit viel Holz - Alles nur keinen Grünen Veltliner - was Leichtes - was Aromatisches - was Kräftiges...) zu einem mittelschweren und feinaromatischen Gemischten Satz Nussberg Reserve vom Roten Haus, mit elegantem Holzausbau, gerade noch im Bereich, den man bei dem Wetter gerne verträgt. Für die Rotweintrinker gab es glasweise Zweigelt klassik aus Carnunutm und für die weissen Zweitglas *(und mehr) Trinker ein steirischer Sauvignon Blanc, der ebenfalls perfekt mit den asiatisch angehauchten Aromen harmonierte. Preislich bewegt man sich natürlich in der Innenstadt und bei hochwertigen Zutaten, aber angesichts der Portionen und der Qualität sind die Preise fair und wer besonderes wie Wagyu Tartar will muss sich das eben auch wert sein. Suppen und Vorspeisen zwischen EUR 6,20-15,90, Hauptgerichte 17,50-24, Burger 13,90-17, Steaks (Angus, Charolais, US Prime, Wagyu) 19,50-79. Degustationsmenüs in 4/5/6 Gängen werden für EUR 49/58/66 angeboten, für das Gedeck (frische Aufstriche und Brot) wird pro Kopf EUR 2,90 in Rechnung gestellt. Als Abschluß ist ein Besuch im "Planter's Club", auf einen der vielen köstlichen Cocktails zu empfehlen. Wir waren dafür diesmal leider schon zu müde und auch dankbar, dass an diesem Abend die Gelsen entweder verschlafen hatten oder woanders in der Innenstadt ihr blutsaugendes Unwesen trieben. Aber nächstes Mal sicher und das sollte nach dem gelungenen und genussvollen Abend recht bald sein! Für mehr als 2 Personen sein, empfiehlt sie zu reservieren. Gutes vegetarisches Angebot (wer's will) Livingstone Restaurant 1., Zelinkagasse 4 +43 1 533 33 93 office@livingstone.at täglich 17 - 4 Uhr [kjz]
Link zu: Livingstone Restaurant im Internet

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